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Schade, ich dachte hier in ARTDOXA kann man mal einen Diskurs starten.
Ich verstehe die Kunstwelt, wie ich sie zu erkennen meine, immer besser:
Die Künstler sind harmlose Opfer, die in Ruhe ihren Quatsch veranstalten
wollen.
Und sie sind die arglosen und leicht zu verschleißenden Spielbälle von Typen, die speziell darauf keine Rücksicht nehmen.
Ich gehöre eigentlich auch in die erste Kategorie.
Aber nicht zuletzt mit der Idee zu ARTDOXA wollte ich mich und andere da rauslocken, und
zumindest
teilweise selbst zu den Spielern machen.
Es ist interessant - mit einem geringfügig größeren Abstand fühle ich ein “Aha”.
Alle Versuche, in Sachen Kunst ein Forum zu etablieren, das in Engagement und Anstand konstruktive Auseinandersetzung erlaubt, wie wir sie aus allen anderen
Bereichen - außer in der Religion! - erleben können, sind doch bisher
regelmäßig fehlgeschlagen.
Mag ja toll sein, dass ich mich dazu bereit fühle.
Aber das ist dann doch so exotisch, wie wenn ein zutiefst spiritueller, gläubiger Mensch meint, mit
Papst, Mullah und Teufel die Grundlagen religiöser Weltsicht ernsthaft verhackstücken zu können.
Echt: Wach auf Jochen!
Gespräche über Kunst brauchen einen Schutzraum, eine Sphäre der zusätzlichen Absicherung, damit sie überhaupt stattfinden.
Und doch haftet ihnen sofort das Unerhörte, das Ungezogene an.
Gewisse Heilige faßt man nicht an.
Und außerhalb privater Gespräche werden sowieso verbindliche Kriterien als Grundlage der Kritik grundweg, ubiquitär und von jedermann bezweifelt.
“Nö, is doch schön … wenn er es mag”.
Die Aussage ist: Kunst ist nicht community-fähig.
Es ist Privatsache.
Während das Bedürfnis nach Aufgehobensein als Schutz vor der
Vergeblichkeit, der Nichtigkeit des Menschen durch das so verbreitete
Interesse am Glauben durch Religion institutionalisiert werden kann, also
auch community-fähig ist, so ist das Bedürfnis nach Kunst und Kunst-Ausüben
so selten und vereinzelt, dass es die paar Schafe, falls sie sich überhaupt
mal je auf der Koppel treffen, sofort versprengt, sobald auch nur ein
vermeintlicher Wolf den Kopf hebt.
Diese armen Lämmchen.
Und was wünschen sie sich?
Einen Messias immer mal wieder?
Dass die Hölle unserer Existenz mehr köstlich Röstaromen dem allgemeinen und unbestimmen guten Geschmack der Massen hinzufügen möge?
Weil ich die Welt mal wieder nicht so haben wollte, wie sie nun mal ist?
Kann man sie denn nicht ändern?
Geht mich das was an?
Ja, ich hielt das bei meinen Möglichkeiten für meine Pflicht. Diese Art des Dienen-Wollens muß anmaßend wirken, wenn es sich um eine Sache handelt, die “man nicht anfaßt”.
Gar nicht so verwunderlich, dass ich der Kunst und den Künstlern mehr zugetraut habe. Der Junge der leidenschaftlich und begnadet Fußball spielt, wundert sich nicht über den faszinierenden Zirkus der Weltmeisterschaft.
Er wundert sich erst, wenn er im Transfersummen-Trainerkarusell-Verletzungs-Doping-Poker blank dasteht.
Oder wenn er erst gar nie mitspielen durfte.
Alle haben gesagt: Hey ARTDOXA, gute Idee! Community for contemporary art!
Ritter der Kokosnuß, hier hilft doch nur noch die Steigerung des Schwachsinns!
Nicht einmal, dass man diskutiert, macht Sinn. Bis in die beschützenden Turnhallen der Ausdruckssportler dringt kein Laut, den sie verstehen oder auch nur verstehen wollten.
Ist doch schön, jeder macht sein Ding. Kunstmachen entspringt einem dumpfen und unbestimmten Drang, sich ausdrücken zu wollen, that’s it!
Und jetzt, Jochen, halt’ die
Fresse!
Best regards,
Jochen

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Photography: Peter Bies © 2009